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Samstag, 12. Mai 2012

Mitternachtsstreit

Eine neue Schreiberei von mir:

Ilka schlug die Augen auf. Wo war sie? Der Raum drehte sich. Es war Mamas Zimmer. Und warum war sie aufgewacht? Sie richtete sich auf, Max trat gegen ihr Bein. "Aua! Maax! Was ist denn?", fragte sie verschlafen. "Ich will Mama!" Max hatte Recht, sowohl er als auch Ilka lagen im Bett, aber wo war Mama? Von unten hörte Ilka lauter werdende Stimmen.. Mehrere. Sie spürte, wie die Tränen in ihr hochstiegen, doch als sie in Max´ Gesicht sah, wusste sie: Das letzte was sie nun tun dürfte, wäre zu weinen. Sie war die Ältere, in einem Jahr würde sie schon in den Kindergarten kommen, Max dagegen war gerade mal 2 Jahre alt. In den nächsten Stunden versuchte sie gleichzeitig Max zu beruhigen, auf das Leuten der nicht weit entfernten Kirche und die Stimmen von unten zu hören. Zwischen durch schien es, als würde unten etwas umfallen und jemand los stürmen, es kratzten Stühle, die Stimmen wurden lauter und etwas knallte auf die Dielen. Danach herrschte Stille.
Egal wie oft Max sie bat nach unten zu gehen, egal wie erbittert er weinte, Ilka gab nicht nach. Sie wusste, dort unten geschah etwas, was sie nicht sehen wollte, wovon sie nichts wissen wollte... Sie ging so weit und meinte, Max solle doch alleine hinunter gehen. Doch kurz bevor er ging, hielt sie ihn doch wieder auf, meinte, die Mutter müsste bald da sein.
Nach geraumer  Zeit, ging das ganze von vorne los, wieder laute Stimmen, dann das Kratzen von Stühlen, jemand kam die Treppe hinauf. Mama betrat das Zimmer und wolte sich zu ihnen ins Bett legen. Papa kam hinter ihr her gestürmt, er schrie: "Ich kann auch einfach mal in dein Haus kommen und dich verprügeln...!"

In Ilkas Kopf begann ein Film: Die Mutter tot, der Vater im Gefängnis... Er hatte die Mutter im Streit erschlagen. Was war schlimmer? Allein zu sein oder die grausame Art auf die sie alleine geworden waren? Im Hintergrund sprach die Mutter beruhigend auf den Vater ein, kurz darauf verließ der Vater immer noch wütend das Zimmer. Die Mutter kam ins Bett, Max und Ilka kuschelten sich an sie. Die Mutter versuchte Max zu trösten, Ilka hielt sich die Ohren zu um sein Weinen nicht mehr zu hören.

Bald darauf hörte Ilka die langsamen Atemzüge der Mutter und die von Max, beide waren eingeschlafen. Doch Ilka lag noch lange wach, grübelte und lauschte der Kirchenglocke...

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